Friedrich Stockmeier: Schlafloser Rasen

„Schlafloser Rasen“ ist eine der Malerei Ludwig Hanischs gewidmete Videoarbeit Friedrich Stockmeiers. Sie bringt Ausschnitte aus Hanischs Diptichon „Protal“ und „Insomnia turf“ in Verbindung mit Einstellungen von Erdkröten im Wasser und sich auflösenden Zuckerwürfeln. Musikalisch wird das Video vom gleichnamigen Orgelstück gerahmt – Stockmeiers „Schlafloser Rasen“.

Das Video steht für sich, ist aber auch innerhalb eines Netzes aus Referenzen der Werke Stockmeiers und Hanischs zueinander lesbar. So bezieht sich bspw. das im Video gezeigte Diptichon Hanischs auf Stockmeiers Theaterstück „Tettigonia Surf“. Das weiterhin zugrundeliegende Orgelstück ist stark durch Hansichs Maltechniken inspiriert, welche auf einem Abarbeiten an Aufschichtung und Abtragung beruhen. Der künstlerische Dialog der Beiden ist in Hanischs Katalog „Insomnia turf“ dokumentiert.

Das Orgelstück basiert auf Schichtungen und Vielfachen von verschiedenen Grundfrequenzen. Im Verlauf des Stücks entfernen sich dabei die Grundfrequenzen immer weiter von einander. Sie sind in einer auf mitteltöniger Chromatik basierenden Skala angeordnet – werden im ganzen Stück aber nie gespielt. Die jeweiligen dabei entstandenen Akkorde wurden unterschiedlich wieder abgetragen – sodass auch teilweise nur einzelene Töne erklingen. Sie wurden unter anderem nach Abweichungsgrad vom gleichstufig Temperierten System und nach Schwebungsqualitäten sortiert. Diese Abtragungen lassen Artefakte und Gestalten entstehen, ähnlich wie in Hansichs Malerein.

Das Video erzählt assoziativ, anhand seiner Montage, vom Sich-Auflösen. Zuckerwürfel lösen sich im Regen oder in einem Farbeimer auf – sie verlieren und variieren dabei ihre Form. Kröten bewegen sich im Wasser und interagieren miteinander, tauchen an der Oberfläche auf und entschwinden wieder im Wasser – zwischen Spiegelung, Lichtbrechung und Bildauschnitt. Die Malerei ist dabei ein Mittler – immer nur in Ausschnitten gezeigt. Sie schlägt sich Mal auf die Seite der Wasseroberfläche und zeichnet die Rippel nach, welche von den Regentropfen ausgelöst werden und Mal schlägt sie sich auf die Seite der Gestalt – Figuren geben sich flüchtig zu erkennen und lösen sich alsgleich wieder in Struktur auf.

Biografie:

Friedrich Stockmeier, geboren 1988 in Baden, aufgewachsen in der Schweiz, Kalifornien und Deutschland, studierte an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim bei Prof. Dr. Sidney Corbett und Prof. Philipp Ludwig Stangl Komposition und Neue Medien. Er ist als Komponist und Autor tätig und lebt in München.

Seine Kompositionen und Texte wurden an deutschen Bühnen und Festivals aufgeführt. Darunter zu nennen sind das Nationaltheater Mannheim, das Theater Osnabrück, das Theater Trier, das Konzerthaus Berlin und der Heidelberger Frühling. Er war mit seinem Theaterstück Tettigonia Surf für den Kleist-Förderpreis nominiert.

Interpreten und Ort:

Friedrich Stockmeier: Video und Musik (Komposition) Michael Leyk: Orgel (St. Cäcilia Germering) Ludwig Hanisch: Malerei

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