PreisträgerInnen

2018
Alexander Derben für „Wasserwerk“

Alexander Derben, geboren am 18.12.1966, ist Gitarrist, Komponist und Videokünstler.

Er leitet das Freie Tonstudio Bremen und ist seit 2014 Leiter der Konzertreihe „Space Attack“, jüngst in Kooperation mit dem Atelier für Neue Musik im Rahmen der Bremer Hausmusikwoche, HfK Bremen. Aktuell unterrichtet er an der Musikschule Bremen (Fachbereich Computermusik) im Rahmen des Bundesweiten Bildungsprojektes „Kultur macht stark“.

Alexander Derbens Komposition „Wasserwerk“ basiert auf Slow Motion-Videoaufnahmen eines mit Wasser bespülten Glases sowie einer Zeitrafferaufnahme von vorbeiziehenden Wolken. Für die musikalische Umsetzung kam ausschließlich ein präpariertes Klavier zum Einsatz, dessen mit Sticks und Mallets gespielte Klänge im Granularsyntheseverfahren zu einer audiovisuellen Komposition verarbeitet wurden.

„Wasserwerk“ ist Teil eines fünfteiligen audiovisuellen Werks mit programmatischem Inhalt: Das Gesamtkonzept bezieht sich auf die Lehre der 5 Elemente, die daoistische Theorie zum Lebenskreislauf in der Natur. Die suggestive Musik ist bezogen auf das außermusikalische Thema und wird detailreich ausgearbeitet. Die Geräusche der Aufnahmen wurden teilweise in der Komposition musikalisch verwertet, der Bildschnitt folgt häufig der Musik. Derben erzielt dabei mit geringem technischem Aufwand hohe filmische Qualität. Alle Videobilder sind mit einem iPhone 8 in 1080p aufgenommen, meist im Slow Motion Modus. Das eingesetzte Instrument war ein präpariertes Klavier von Wilhelm Biese (Bj. 1925), überwiegend perkussiv bespielt.

Derben überzeugte die Jury durch seine eigenständige, poetische Arbeit, die von feiner Dynamik in Schnitt und Komposition geprägt ist. Sein Werk ist trotz komplexer Machart sowohl dem zusehenden Musiker als auch dem hörenden Videokünstler zugänglich. Die visuellen Effekte sind teils gängig, teils überraschend. Musik und Video entwickeln sich gleichberechtigt und in so stimmiger Verknüpfung, dass die Jury ihm dafür einstimmig den JukeBoxx NewMusic Award 2018 verlieh.

2017
Andreas Eduardo Frank

Andreas Eduardo Frank, geboren 1987, ist Komponist, Medienkünstler und Performer. Er studierte an der HFM Würzburg sowie am elektronischen Studio der Musikhochschule Basel. Sein Oeuvre ist vielseitig und geprägt durch die enge Zusammenarbeit mit anderen jungen Musikern und Künstlern auf internationaler Ebene. Frank arbeitet in seinen Werken an der Schnittstelle zwischen real und virtuell, zwischen Musik, Performance, Video und Theater.

In „Between Me and Myself V“ für Saxophon, Video & Electronics versteht es Andreas Eduardo Frank auf raffinierte Weise, eine sehr genaue Verknüpfung von Rhythmus, Klangentwicklung, Performance und live getriggertem Videobild visuell darzustellen. Der Betrachter fragt sich beständig: Was löst diese Entwicklung aus, der Ton oder das Bild oder die Bewegung?

Frank spielt mit Originalton, Echo und Kopie und lotet mit einfachen filmtechnischen Mitteln, aber dennoch auf vielfältige und abwechslungsreiche Weise seine schnitttechnischen Möglichkeiten aus. Ausgangspunkt ist die Video- und Audioaufnahme des zugrundeliegenden musikalischen Materials. Diese wird durch den Filmschnitt zu gleichermaßen optischen wie akustischen Bausteinen, aus deren Neuorganisation heraus wiederum eine neue, komplexere Bild- und Klangebene entsteht. Aus Musik wird Bild wird neue Musik mit neuem Bild. So denkt er die Bild- und Tonebenen ganz konsequent gemeinsam: Raumklang und bildliche Wahrnehmung korrespondieren ebenso wie beispielsweise der visuelle und akustische Rhythmus des Stücks.

Frank überzeugte die Jury durch die fantasievolle und unterhaltsame  Ausarbeitung seiner musikalisch-visuellen Idee. Großen Anteil daran hat der virtuos agierende Saxophonist und Live-Performer Pedro Pablo Camara, der Zuhörer und Zuschauer immer aufs Neue überraschend mitnimmt in die sich immer weiter auffächernden komplexen Strukturen von Andreas Eduardo Franks Komposition.

2015
Carlos de Castellarnau

Nach über 40 internationalen Bewerbungen und einem strengen Auswahlverfahren in den digitalen Medien haben sich die Stiftungsbeiräte Konstantia Gourzi, Minas Borboudakis, Theo Geißler und Andreas Kolb darauf geeinigt, den JukeBoxx NewMusic Award 2015 an den spanischen Komponisten Carlos de Castellarnau zu vergeben.

Carlos de Castellarnau erhält den mit 3.500 Euro dotierten Preis für sein Werk „Fix­acions II“,­ gespielt vom Crossing Lines Ensemble und zu sehen auf Facebook unter „JukeBoxx NewMusic Award“. Unter Verzicht auf elektronische Mittel verbindet hier de Castellarnau fragmentarische, mikromotivische Klangereignisse mit einem dramatischen, rhythmisch forcierten Gestus. Brachiale Klangverdichtungen wechseln sich mit zarten Intermezzi ab. Plastische Klanglichkeit bis hin zum kleinsten Detail und heterogene Strukturen wie in „Fix­acions II“ ziehen sich durch das gesamte Schaffen des Preisträgers.

Carlos de Castellarnau wurde 1977 in Tarragona, Katalanien, geboren und begann sein Musikstudium zunächst als Autodidakt. 2002 nahm er ein Gitarrenstudium am Conservatori de Vilaseca auf, um anschließend bei Ramon Humet und später bei Agustí Charles Komposition zu studieren. Castellarnau besuchte Meisterklassen bei Helmut Lachenmann, Salvatore Sciarrino, José María Sánchez-Verdú, Hèctor Parra und Aureliano Cattaneo.